Künstliche Intelligenz

Löst sie die Menschlichkeit ab?


Immer mehr Prozesse und Arbeitsschritte werden dem Menschen durch Maschinen abgenommen. Gerade in Zeiten der Digitalisierung spielt künstliche Intelligenz (KI) eine zunehmend wichtigere Rolle. Doch kann sie auch die Grundbedürfnisse des Menschen erfüllen?

 

 

Der Mensch besitzt etwa 100 Milliarden Neuronen, welche ständig Impulse zwischen den über 10.000 Verbindungen zu nahe gelegenen Zellen hin -und herschicken. Dies ist die Grundlage für menschliche Prozesse wie Lernen, Schlussfolgern und abstraktem Denken. Unter KI versteht man ein künstliches neuronales System, welches die Verbindungen, die durch richtiges Schlussfolgern zu richtigen Entscheidungen gekommen ist, priorisiert und weiter ausbaut („Deep Learning“). Bisher existieren nur schwache KIs, d.h. Systeme, welche ihr Wissen und ihre Fähigkeit zu lernen nur auf einen einzelnen speziellen Bereich anwenden können. Die wahre Herausforderung ist es bisweilen, weniger strukturierte bis gar nicht strukturierte Daten zu interpretieren. Dazu gehören beispielsweise Bild- oder Textdateien. Ein Bild kann sehr viel Verschiedenes beinhalten, von einem Strandbild bis hin zu den Bremer Stadtmusikanten. Bisher gibt es keine Künstliche Intelligenz, die sich etwas anschaut und von sich aus versteht, was sie sieht. Alle Durchbrüche der letzten Jahre beruhten auf vorher implementierten Trainingsdaten, das heißt, man gibt bei einem Bild vorab an, was zu sehen sein wird. Einfach gesagt: ohne menschliche Hilfe kommt heute auch die fortschrittlichste KI noch nicht aus. In zahlreichen Branchen werden diese schon angewendet, so z.B. in der Medizin, Logistik oder Automobilindustrie. In einigen großen Unternehmen wird KI auch für Kundenbetreuung oder als Sprachassistenz-System verwendet. Letzteres in der neuen Mercedes Benz A-Klasse. Ein Großteil des Cockpits kann über deren Sprachsystem MBUX gesteuert werden, wie die Sitzeinstellungen oder die Klimaanlage. Fragen bezüglich des aktuellen Tempolimits sind sogar möglich. Mit der Zeit werden neue Fähigkeiten, die den Kundenwünschen angepasst sind, entwickelt. Watson heißt ein von der Firma „The North Face“ genutzter Chatbot, der für die Kunden optimale Suchergebnisse liefern soll. Mit Fragen, wie „wann und wo ein gewisses Kleidungsstück verwendet werden soll“ liefert er ein breites Spektrum an Angeboten. Geht es beispielsweise um ein Surfabenteuer im Winter in den USA, so werden Jacken mit Kälte- und Nässeschutz vorgeschlagen.

 

 

Ein menschliches Bedürfnis: der Faktor „Vertrauen“

Die Haltung der Menschen gegenüber den KI-Systemen ist zwiegespalten. Das liegt vor allem an dem fehlenden Vertrauen. Viele Menschen vertrauen Computern nicht, dies liegt zum einen darin begründet, dass keine menschlichen Eigenschaften vorhanden sind, die Vertrauen unterbewusst hervorrufen, zum anderen darin, dass die Science-Fiction Vorstellung einer Unterwerfung durch KI in vielen Köpfen präsent ist. Gegenseitiges Vertrauen erschafft Bindungen zwischen Menschen. Vertrauen ist etwas Alltägliches: Steigt man in ein Taxi, so vertraut man dem Fahrer, dass man heil am Wunschziel ankommt. Ein Großteil der Gesellschaft würde aber nicht bedenkenlos in ein durch KI gesteuertes Auto einsteigen, weil kein Vertrauen in die Technologie hergestellt wurde. Vertrauen wird durch Charaktereigenschaften, Emotionen und Körpersprache hervorgerufen; all dies können KI bisher nicht leisten. Vertrauen ist demnach ein Grundbedürfnis des Menschen, sowie die Voraussetzung für eine funktionierende Gesellschaft.

 

Was macht den Menschen aus?

Vertrauen ist aber nur ein Grundbaustein der sozialen Interaktion. Wir haben gelernt zu kommunizieren, Emotionen auszudrücken und wahrzunehmen. Was uns unter anderem von einer Maschine unterscheidet sind Empathie, Intuition und das Handeln nach einer menschlichen Norm. Aber vor allem Intuition spielt eine wichtige Rolle beim Menschen. Er hat über Jahre gelernt die unterbewussten Signale eines Gegenübers zu deuten, anhand von Erfahrungen und sozialer Intelligenz. Darunter fällt das Deuten von Gestik, Mimik, Stimmintonation und Sensorik. Unterbewusst sagt uns das bereits etwas über den Gesprächspartner, ob wir ihn mögen, ihm vertrauen, ihn authentisch finden oder dem Gesagten glauben. Schenken wir vermehrt unsere Aufmerksamkeit der nonverbalen Kommunikation, können wir sogar noch mehr über unser Gegenüber herausfinden, nämlich wie er uns selbst gegenüber eingestellt ist, ob er die Wahrheit sagt und was er wirklich über eine gewisse Sache denkt. Mithilfe von Erfahrung und guter Menschenkenntnis ist Intuition somit eine entwickelbare Fähigkeit. Des Weiteren sagt die Stimmintonation viel über den Gesprächspartner aus. Die Art und Weise wie etwas gesagt wird, gibt oft Hinweise bezüglich der Motive des Gegenübers. All das zeigt, welchen Stellenwert Kommunikation für den Menschen hat und inwieweit sich diese schon über Tausende von Jahren zu einem hochkomplexen Thema entwickelt hat.
Sie ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen und ist essentiell für einen glücklichen, ausgeglichenen Menschen. Dies spiegelt sich in vielen Situationen des Alltags wieder: Der häufigste Grund für Unzufriedenheit am Arbeitslatz ist mangelnde Kommunikation. Sie schafft Bindungen, sorgt für Wohlbefinden durch Entlastung der Probleme und ist eine Voraussetzung für Erfolg. Offener und freundlicher Umgang steigert die Produktivität, Motivation sowie Effizienz, was sich letztlich auch auf die Kundenbeziehung auswirkt. Dies sind alles Aspekte der sozialen Interaktion, die bei einer Maschine nicht gegeben sind. Folglich fällt es Arbeitnehmern schwer eine echte Bindung zu einer KI zu entwickeln. Non-verbale Kommunikation ist viel aussagekräftiger als verbale Kommunikation und macht einen Menschen für uns sympathisch.

 

Fazit

Was bedeutet all das für Führungskräfte? Ein Kernthese des Think-Tanks von Avanade lautet, dass Führungskräfte für das Management von KI-beeinflussten Arbeitsbereichen ein Gleichgewicht intellektueller (IQ) und emotionaler (EQ) Intelligenz mitbringen müssen. Während sich die Kompetenzen von KIs immer weiterentwickeln, fragen sich viele Arbeitnehmer, ob sie in Zukunft für einen „Roboter-Chef“ arbeiten müssten. Doch es scheint das genaue Gegenteil zu sein: Führungskompetenzen werden sich signifikant ändern müssen, ist die Meinung von rund 85 Prozent der befragten Management-Kräfte. Fest steht jedoch, dass einige Berufe in Zukunft überflüssig sein könnten und von KI übernommen. Unternehmen werden diese Jobs, die durch technologische Fortschritte wegfallen nicht wahren können, was jedoch bleibt, ist die Verantwortung für die Mitarbeiter – diese müssen darauf vorbereitet werden und angepasst werden, im Hinblick auf die Besetzung neuer Positionen. Führungskräfte müssen sich dessen bewusst sein, dass sich KI auch einsetzten lässt, um ihre Teams und deren einzelne Mitglieder zu entlasten. Nicht weniger wichtig ist der EQ und entsprechende Fähigkeiten im Umgang mit Menschen. Diese Fähigkeiten sind essentiell, um Furcht vor Veränderung zu nehmen und Mitarbeiter erfolgreich in Projekte einzubinden.
Maschinen sind mittlerweile in der Lage, Daten schneller zu verarbeiten als der Mensch. Folglich werden Soft Management Skills wichtiger und damit auch Aspekte wie Vertrauen und digitale Ethik.

 

Auch wenn KI in Zukunft durch seine Anpassung an die Kundenbedürfnisse immer bedeutsamer wird, kann sie die Grundbedürfnisse des menschlichen Zusammenlebens nicht vollumfänglich zufriedenstellen. Daraus resultierend ergibt sich, als einziger erfolgversprechende Ansatz, die Interaktion zwischen Mensch und Maschine.

 

 

Abschließende Bemerkung:

Wir stehen Ihnen gerne mit unseren praxiserfahrenen Experten zu den Themen Agiles Arbeiten, Change-Management und Führung zur Verfügung. Nutzen Sie auch unsere Seminare und Workshops, um noch mehr über diese Themen und die Anwendung in der Praxis zu erfahren.